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Für Gott ist nichts unmöglich.

Manchmal passiert etwas Überraschendes, Unerwartetes. Manchmal wirft uns etwas aus der Bahn, sei es erfreulich oder unerfreulich. Manchmal stockt uns der Atem vor Erstaunen, bleibt uns das Herz stehen vor Schreck.

Ich stelle mir vor, dass es auch Maria so ergangen ist, als ihr der Engel begegnete. Mit der Nachricht konfrontiert, sie werde ein Kind zur Welt bringen, fragt sie zurecht: „Wie soll das zugehen?“ War sie mit der Antwort „Für Gott ist nichts unmöglich“ zufrieden?

„Rechne mit dem Unmöglichen! Erwarte das Wunderbare!“, will uns die Geschichte sagen. „Für Gott ist nichts unmöglich.“ Ich will nicht verschweigen, dass es auch die anderen Geschichten gibt: die Wege, die nicht ans Ziel führen; die Schicksale, die in der Armut, in Krankheit und Tod enden.

So wie in Moria. Oder – so heißt das neue Lager auf der Insel Lesbos – in Kara Tepe. Familien auf der Flucht leben dort seit Monaten unter unzumutbaren Bedingungen. Unbegleitete Kinder und Jugendliche müssen dort im Dreck hausen, mitten unter Ratten und Ungeziefer. Eine Schande für ein zivilisiertes, eine Schande für ein angeblich christliches Europa.

Wir können nicht Weihnachten feiern, die Geburt Jesu in einem Stall, wenn wir nicht an die Kinder denken, die unter Armutsverhältnissen auf die Welt kommen. Wir können nicht Weihnachten feiern, die Geburt eines Flüchtlingskindes, wenn wir nicht unser Geld und unsere Kraft einsetzen, um den Kindern von Kara Tepe eine würdevolle Zukunft zu sichern.

Wenn wir zu Weihnachten 2020 unsere Verantwortung wahrnehmen wollen, sollten wir uns für die Schwächsten der Gesellschaft stark machen, hier in Österreich, aber auch in Kara Tepe, wo Menschen im Elend hausen.

Christlicher Glaube durchbricht unsere scheinbare realistische Sicht dessen, was möglich ist, indem er uns durch den Engel zuruft: „Für Gott ist nichts unmöglich.“

Meint Ihr
Pfarrer Gernot Mischitz

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